Mit Einleitung: Carola stellst Du etwas zusammen. Aktuell gibt es Beispiele, ich habe eine Aufzählung ergänzt

Der Mittelspecht (Leiopicus medius, Syn.: Dendrocoptes medius, Dendrocopos medius) ist eine in Mitteleuropa relativ seltene Vogelart aus der Familie der Spechte (Picidae). Sie ist in einem vergleichsweise kleinen Gebiet der West- und Südwestpaläarktis verbreitet. Die Art benötigt zur Nahrungssuche Baumkronen mit grobrindigen Ästen und Stammbereichen. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes zeigt der Mittelspecht daher eine Bindung an alte Eichenwälder, wurde aber in den letzten Jahren auch in naturnahen Laubmischwäldern ohne wesentlichen Eichenanteil festgestellt.
Mittelspechte sind Standvögel, die ihre Jungen in selbst gezimmerten Baumhöhlen großziehen. Sie gehören zu den wenigen Buntspechten, bei denen die Färbungsunterschiede der Geschlechter sehr schwach ausgeprägt sind oder häufig völlig fehlen, sodass feldornithologisch eine Geschlechtsbestimmung problematisch sein kann. In ihrem Verbreitungsgebiet sind sie die einzige Art, bei der beide Geschlechter etwa gleich große rote Kopfkappen aufweisen.
L. medius gehört zu den wenigen Vogelarten mit einem Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa: Etwa 20 % brüten in Deutschland, weshalb Deutschland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Tierart trägt (Verantwortungsart). Der Gesamtbestand scheint leicht zuzunehmen und wird zurzeit als „Nicht gefährdet“ (LC = Least concern) eingestuft.
Der Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis) ist ein kleiner, wendiger Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Er gilt als charakteristische Leitart lichter Laub- und Auwälder sowie alter Streuobstwiesen und ist vor allem für den markanten Geschlechtsdimorphismus seines Gefieders und seine akustischen Balzrituale bekannt.
Mit einer Körperlänge von etwa 13 cm und einem Gewicht von 12 bis 18 g entspricht der Halsbandschnäpper im Körperbau weitgehend dem nahe verwandten Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca).
Männchen (Prachtkleid): Auffällig kontrastreich schwarz-weiß gefärbt. Namensgebend ist das breite, rein weiße Halsband, das die schwarze Kopfplatte vollständig vom schwarzen Rückenmantel trennt. Ein weißer Stirnfleck, ausgedehnte weiße Flügelfelder auf den Schwingen sowie eine leuchtend weiße Unterseite heben sich deutlich von der tiefschwarzen Oberseite ab.
Weibchen und Schlichtkleid: Deutlich unauffälliger. Die Weibchen zeigen ein gedecktes Graubraun auf der Oberseite und ein gebrochenes Weiß auf der Unterseite. Das weiße Halsband fehlt meist oder ist nur als diffuser, heller Nackenfleck angedeutet.
Verwechslungsgefahr: Männliche Trauerschnäpper besitzen kein geschlossenes weißes Halsband (der Nacken bleibt dunkel). In Überlappungsgebieten treten gelegentlich Hybride auf, die intermediäre Merkmale tragen.
Als Sekundärhöhlenbrüter ist der Halsbandschnäpper zwingend auf alte, totholzreiche Bestände angewiesen. Bevorzugt werden:
Alte Laubmischwälder (insbesondere Eichen- und Buchenaltbestände)
Feuchte Auwälder
Historische Parkanlagen und strukturreiche Streuobstwiesen mit altem Baumbestand
Er baut sein Nest überwiegend in verlassenen Spechthöhlen, natürlichen Astlöchern oder geeigneten Nisthilfen. Die Brutzeit beginnt ab Ende April oder Anfang Mai; das Gelege umfasst üblicherweise 5 bis 7 hellblau gefärbte Eier, die fast ausschließlich vom Weibchen bebrütet werden.
Der Halsbandschnäpper ernährt sich vorwiegend insectivor. Er erbeutet fliegende Insekten (Käfer, Fliegen, Hautflügler) im kurzen, rasanten Ausfallflug von einer exponierten Ansitzwarte aus. Im Frühjahr und während der Nestlingsfütterung sammelt er zudem Raupen, Spinnen und kleine Wirbellose direkt von Blättern und Rinde ab.
Der Halsbandschnäpper ist ein Langstreckenzieher. Sein europäischer Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mittel- und Südosteuropa (u. a. Italien, Balkan, Ungarn, Tschechien sowie Teile Süddeutschlands). Den Winter verbringt er im tropischen Sub-Sahara-Afrika. Der Heimzug erfolgt spät im Frühjahr: In Mitteleuropa treffen die ersten Vögel meist erst ab Mitte bis Ende April in ihren Brutrevieren ein, um bereits ab August wieder nach Süden aufzubrechen.
Quellen:
Bauer, H.-G., Bezzel, E., & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 2: Passeriformes – Sperlingsvögel. Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Svensson, L., Mullarney, K., & Zetterström, D. (2023): Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Glutz von Blotzheim, U. N. (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 13/I: Passeriformes (4. Teil): Muscicapidae – Paridae. AULA-Verlag, Wiesbaden.
Der Rotmilan fällt im Flugbild sofort durch seine langen, schlanken Schwingen und seinen ständigen Steuerungsflug auf.
Flugbild & Silhouette: Das auffälligste Erkennungsmerkmal ist der lange, tief eingekerbte, rostrote Stoß (Schwanz), der im Segelflug permanent zur Richtungs- und Höhenkorrektur gedreht wird. Mit einer Flügelspannweite von etwa 140 bis 165 cm und einer Körperlänge von 60 bis 72 cm wirkt er deutlich schlanker und langflügeliger als der Mäusebussard.
Gefieder: Rumpf und Oberflügeldecken sind überwiegend rotbraun gefärbt und mit feinen, dunklen Längsstreifen durchsetzt. Kopf, Hals und Nacken älterer Vögel sind auffallend hellgrau bis fast weiß gestrichelt. Auf der Flügelunterseite leuchtet im Flug vor den schwarzen Flügelspitzen ein kontrastreiches, großes weißes Flügelfenster (an der Basis der Handschwingen).
Verwechslungsgefahr: Der nah verwandte Schwarzmilan (Milvus migrans) ist dunkler (graubraun), wirkt weniger kontrastreich, besitzt ein deutlich weniger ausgeprägtes weißes Flügelfenster und einen merklich flacher gekerbten Schwanz.
Als Lebensraum benötigt der Rotmilan ein Mosaik aus offenen Kulturlandschaften und geschlossenen Waldstücken:
Habitat: Strukturreiche Agrarlandschaften mit Wiesen, Weiden, Äckern sowie eingestreuten Gehölzen, Feldgehölzen und Waldrändern.
Horstbau: Nester werden hoch in alten Laubbäumen (oft Eichen, Buchen oder Pappeln) am Waldrand oder in Feldgehölzen angelegt. Typisch für den Rotmilan ist das Eintragen von allerlei Zivilisationsresten wie Plastikfolien, Schnüren oder Stofffetzen zur Polsterung der Nistmulde.
Nahrung & Beuteerwerb: Der Rotmilan ist ein opportunistischer Nahrungsgeneralist und Aasfresser. Er jagt im niedrigen, langsamen Suchflug über offenem Gelände. Zu seiner Beute zählen kleine Säugetiere (v. a. Feldmäuse), Vögel, Fische sowie Amphibien und Aas (z. B. Verkehrsopfer an Straßen). Oft profitiert er direkt von landwirtschaftlichen Mahden, da dort Beutetiere leicht zugänglich freigelegt werden.
Zugstrategie: Je nach Herkunft zieht der Rotmilan als Kurz- bis Mittelstreckenzieher im Herbst überwiegend nach Südwesten auf die Iberische Halbinsel oder nach Südfrankreich. Zunehmend überwintern Teilpopulationen in milden Wintern auch direkt in Mitteleuropa.
Besondere Verantwortung: Da rund 50 bis 60 % der weltweiten Brutpaare in Deutschland heimisch sind, trägt die Region eine globale Schlüsselverantwortung für den Schutz dieser Art. Wesentliche Gefährdungsfaktoren stellen Kollisionen mit Windenergieanlagen und Stromleitungen, illegale Vergiftungen, der Verlust von Altholzinseln sowie Nahrungsknappheit durch großflächige Monokulturen dar.
Quellen:
Bauer, H.-G., Bezzel, E., & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Svensson, L., Mullarney, K., & Zetterström, D. (2023): Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Bundesamt für Naturschutz (BfN) & DDA: Vögel in Deutschland – Übersichten und Verantwortlichkeiten für den Rotmilan.
Der Schwarzmilan (Milvus migrans) ist ein mittelgroßer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Im Vergleich zu seinem nahen Verwandten, dem Rotmilan, ist er weltweiter verbreitet, ökologisch noch anpassungsfähiger und zeigt eine besonders ausgeprägte Bindung an gewässerreiche Lebensräume.
Der Schwarzmilan ist trotz seines Namens keineswegs rein schwarz, sondern einheitlich dunkelbraun bis graubraun gefärbt. Er wirkt im Flug etwas kompakter und weniger schlank als der Rotmilan.
Flugbild & Stoß (Schwanz): Der Schwanz ist im Vergleich zum Rotmilan deutlich kürzer und zeigt nur eine flache Einkerbung. Voll aufgefächert wirkt die Hinterkante des Schwanzes nahezu gerade abgeschnitten oder nur noch minimal konkav. Die Schwingen sind lang und relativ breit, die Flügelspitzen wirken tief „gefingert“.
Gefieder: Die Grundfärbung ist ein monotones, dunkles Schokoladen- bis Graubraun ohne die rötlichen Nuancen des Rotmilans. Der Kopf adulter Vögel ist meist etwas heller graubraun abgesetzt, erreicht aber nicht das leuchtende Weißgrau alter Rotmilane.
Flügelunterseite: Es fehlen die stark leuchtenden, reinweißen Flügelfenster des Rotmilans. An der Basis der Handschwingen zeigt sich im Gegenlicht lediglich ein diffuses, aufgehelltes, cremefarbenes bis hellgraues Feld.
Körpermaße:
Körperlänge: ca. 55 bis 60 cm
Flügelspannweite: ca. 135 bis 155 cm
Gewicht: ca. 600 bis 1000 g (Männchen im Schnitt etwas leichter als Weibchen)
Der Schwarzmilan ist ein typischer Bewohner offener, gewässerreicher Tieflagen:
Habitat: Großflächige Auenlandschaften, Uferbereiche großer Flüsse, Seenlandschaften, Fischteiche sowie strukturierte Kulturlandschaften in Gewässernähe mit angrenzenden Waldbeständen.
Horstbau: Der Nestbau erfolgt in alten Laubbäumen, oft in Wassernähe oder direkt im Auwald. Häufig finden sich Schwarzmilane in lockeren Kolonien oder in der Nähe von Graureiher- und Kormorankolonien zusammen. Ähnlich wie der Rotmilan verbaut er Zivilisationsmüll, Plastikfetzen und Textilreste in der Nistmulde.
Nahrung & Beuteerwerb: Der Schwarzmilan ist ein opportunistischer Alles- und Aasfresser mit starkem Hang zu Gewässern. Seine Hauptnahrung besteht aus toten oder kranken Fischen, die er im flachen Gleitflug geschickt mit den Fängen von der Wasseroberfläche abschöpft. Daneben nutzt er kleine Säugetiere, Amphibien, Insekten, Abfälle auf Deponien sowie Verkehrsopfer entlang von Straßen.
Zugstrategie: Im Gegensatz zum Rotmilan ist der mitteleuropäische Schwarzmilan ein fast ausnahmsloser Langstreckenzieher. Er überwintert südlich der Sahara im tropischen und südlichen Afrika. Der Wegzug beginnt früh im Spätsommer (bereits ab Ende Juli/August), der Heimzug erfolgt im April.
Bestand und Gefährdung: Global betrachtet zählt der Schwarzmilan zu den häufigsten Greifvogelarten der Erde mit riesigem Verbreitungsgebiet über Eurasien, Afrika und Australasien. In Mitteleuropa ist er seltener als der Rotmilan, profitiert jedoch von Auenrenaturierungen und Stillgewässern. Gefahren bestehen vor allem durch Umweltgifte, Gewässerverschmutzung und den Verlust naturnaher Flussauen.
Quellen:
Bauer, H.-G., Bezzel, E., & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Svensson, L., Mullarney, K., & Zetterström, D. (2023): Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Ferguson-Lees, J., & Christie, D. A. (2001): Raptors of the World. Christopher Helm, London.
Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist ein großwüchsiger Schreitvogel aus der Familie der Störche (Ciconiidae). Im Gegensatz zum kulturfolgenden Weißstorch (Ciconia ciconia) führt der Schwarzstorch eine ausgesprochen heimliche Lebensweise als scheuer Bewohner ausgedehnter, unzerschnittener und wasserreicher Altholzwälder.
Der Schwarzstorch ist etwas zierlicher gebaut als der Weißstorch, besitzt jedoch dieselbe typische Schreitvogel-Silhouette mit langen Beinen, langem Hals und kräftigem Dolchschnabel.
Gefieder: Kopf, Hals, Brust, Rücken und Flügeloberseiten sind tiefschwarz gefärbt. Bei gutem Lichteinfall schimmert das schwarze Gefieder metallisch purpurrot, grünlich und bronzefarben. Die Unterseite (Bauch, Schenkel und Unterschwanzdecken) ist scharf abgegrenzt reinweiß.
Nackte Hautpartien & Schnabel: Adulte Vögel besitzen einen leuchtend roten Schnabel, rote Beine sowie einen unbefiederten, roten Augenring.
Jungvögel: Sie wirken deutlich matter und braunschwarz gefärbt. Schnabel und Beine sind in den ersten Monaten graugrün bis hornfarben und färben sich erst im zweiten Lebensjahr intensiv rot aus.
Körpermaße:
Körperlänge: ca. 90 bis 105 cm
Flügelspannweite: ca. 145 bis 155 cm
Gewicht: ca. 2,8 bis 3,2 kg
Der Schwarzstorch gilt als empfindliche Zeigerart für intakte, störungsarme Waldökosysteme.
Habitat: Großflächige, geschlossene Laub- und Mischwälder (insbesondere alte Buchen- und Eichenbestände) mit eingestreuten Fließgewässern, Waldtümpeln, Quellmooren, Bruchwäldern und feuchten Waldwiesen. Er meidet Siedlungen und menschliche Aktivität strikt.
Horstbau: Der Nestbau erfolgt versteckt in den Kronen alter, starkastiger Laubbäume (oft in Astgabeln mächtiger Buchen oder Eichen) oder in Mittelgebirgen seltener auch auf Felsvorsprüngen. Der Horst wird oft jahrzehntelang genutzt und durch jährliches Nachbessern mit Ästen, Moos und Gras tonnenschwer.
Nahrung & Beuteerwerb: Der Schwarzstorch sucht seine Nahrung überwiegend watend in flachen Waldbächen, Gräben und Moortümpeln. Hauptbeute sind kleine bis mittelgroße Fische (z. B. Forellen, Schmerlen, Groppen), Amphibien (Frösche, Molche), Wasserinsekten sowie gelegentlich kleine Säugetiere und Reptilien.
Zugstrategie: Wie der Weißstorch ist der Schwarzstorch ein Langstreckenzieher, der die Wintermonate im tropischen Afrika südlich der Sahara verbringt. Er nutzt als Thermiksegler vorwiegend zwei Routen zur Überquerung des Mittelmeers: die westliche Route über Gibraltar oder die östliche Route über den Bosporus. Der Wegzug erfolgt ab Mitte August, der Heimzug im März und April.
Bestand und Schutz: Nach dramatischen Einbrüchen im 19. und 20. Jahrhundert haben sich die Bestände in Mitteleuropa durch strenge Horstschutzmaßnahmen und Renaturierungen erholt, die Art bleibt jedoch anspruchsvoll und störungsempfindlich. Hauptgefährdungen sind Holzeinschlag zur Brutzeit in Horstnähe, Zerschneidung von Waldgebieten (z. B. durch forstlichen Wegebau), Entwässerung von Feuchtwäldern sowie Kollisionen mit Freileitungen und Windkraftanlagen an Waldstandorten.
Quellen:
Bauer, H.-G., Bezzel, E., & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Svensson, L., Mullarney, K., & Zetterström, D. (2023): Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos Verlag, Stuttgart.
Janssen, G., Hormann, M., & Rohde, C. (2004): Der Schwarzstorch (Ciconia nigra). Die Neue Brehm-Bücherei, Band 657, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben.
