Die Wirtschaftlichkeit des geplanten Windparks Rammert

Die Stadtwerke Tübingen (swt) versichern, sie würden im Rammert „nur Anlagen umsetzen, die sich wirtschaftlich betreiben lassen“. Belastbare Zahlen dazu hat die Öffentlichkeit bislang nicht gesehen. Ein Blick auf die veröffentlichten Angaben zeigt, warum die Wirtschaftlichkeit eine der zentralen offenen Fragen des Projekts bleibt.

Von 13 auf 9 Anlagen

  • Mai 2025: Geplant sind 13 Anlagen, davon 11 auf Tübinger Gemarkung (Vorlage 88/2025 der Universitätsstadt Tübingen).
  • Februar 2026: Drei Standorte werden gestrichen. Nach Windmessungen und Ertragsprognosen seien sie laut swt „nicht wirtschaftlich zu betreiben“.
  • Heute: Die Projektseite der swt nennt nur noch 9 Anlagen.

Damit haben vier der ursprünglich 13 Standorte die Planung nicht überstanden, drei davon nach Angaben der swt ausdrücklich aus wirtschaftlichen Gründen.

Sinkende Ertragsprognose je Anlage

  • 2025: rund 12 GWh Strom pro Anlage und Jahr (Vorlage 88/2025).
  • Heute: rund 100 GWh pro Jahr für alle 9 Anlagen, also etwa 11 GWh pro Anlage (Projektseite der swt).

Die erwartete Strommenge je Anlage liegt damit rund acht Prozent unter der Prognose von 2025.

Sehr große Anlagen für schwachen Wind

Geplant ist der Typ Enercon E-175 EP5 mit 7 Megawatt Leistung, 175 Metern Nabenhöhe und 175 Metern Rotordurchmesser. Die Gesamthöhe beträgt 262,5 Meter. Die swt beschreiben den Anlagentyp selbst als ausgelegt für „schwache bis mittlere Windgeschwindigkeiten“. Die enorme Höhe soll also ausgleichen, was dem Standort an Wind fehlt.

Abschaltungen kosten Ertrag

Laut den Gutachten zu Schall, Schattenwurf sowie Tier- und Artenschutz müssen einzelne Anlagen zeitweise gedrosselt oder abgeschaltet werden. Jede Stunde Stillstand fehlt im Jahresertrag. Wie stark diese Auflagen in die Ertragsprognosen eingerechnet sind, ist nicht veröffentlicht.

Was die Gemeinden erhalten

Die beteiligten Gemeinden sollen nach § 6 EEG mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde am Stromertrag beteiligt werden, laut swt rund 20.000 Euro pro Anlage und Jahr. Hinzu kommen Pachten und Gewerbesteuer. Auch diese Einnahmen hängen direkt davon ab, wie viel Strom tatsächlich erzeugt wird.

Was bisher nicht öffentlich ist

  • die Messwerte der 2025 abgeschlossenen Windmessung,
  • das Investitionsvolumen des Windparks,
  • die Wirtschaftlichkeitsberechnung je Standort,
  • die Annahmen zum Zuschlagswert in der EEG-Ausschreibung.

Nach dem Zeitplan der swt wird die Genehmigung im Herbst 2026 erwartet. Im Winter 2026/2027 folgt die Teilnahme an der EEG-Ausschreibung der Bundesnetzagentur, 2027 der Bau und im Frühjahr 2028 die Inbetriebnahme. Erst mit dem Zuschlag in der Ausschreibung steht fest, zu welchem Preis der Strom vergütet wird.

Unsere Fragen an die Stadtwerke Tübingen

  • Welche mittleren Windgeschwindigkeiten wurden 2025 an den einzelnen Standorten gemessen?
  • Ab welchem Ertrag gilt ein Standort für die swt als wirtschaftlich?
  • Warum entfiel nach der Streichung von drei Standorten eine weitere Anlage?
  • Wie viel Ertrag geht durch die geplanten Abschaltungen verloren?

Quellen

Jörg https://naturforum.datenschutz-suedwesten.de/wp-content/uploads/2025/10/cropped-logo-1.jpg
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Naturforum Rammert: Frühzeitig informiert und beteiligt

Im Rammert ist ein Windpark geplant. Diese Seite gibt Ihnen frühzeitig Informationen zum Planungsstand und zeigt Ihnen, wie Sie sich einbringen können.

Der geplante Windpark im Rammert

Details zur Grafik

  • Die 10 aktiven Standorte (Grün): Diese verbleibenden Anlagen befinden sich in den windstärkeren Kernbereichen des Vorranggebiets. Acht davon stehen auf Tübinger Gemarkung (nahe Bühl und Kilchberg), zwei im östlichen Bereich auf der Gemarkung Dußlingen.
  • Die 3 gestrichenen Standorte (Rot): Sie lagen im Norden des Gebiets zu nah an den Stadtteilen Weilheim und Kressbach und erwiesen sich bei den Windmessungen als nicht wirtschaftlich.
  • Das Vorranggebiet (Grau gestrichelt): Zeigt die offizielle Zone (TÜ-01) im Rammert-Wald, die für die Nutzung von Windenergie reserviert ist.

Der Hauptauftraggeber und Projektentwickler für den Windpark Rammert sind die Stadtwerke Tübingen (swt). 10 geplante Windkraftanlagen (Stand: 2026) sollen entstehen, im Vorranggebiet Rammert (TÜ-01) auf den Gemarkungen Tübingen (nahe Bühl und Kilchberg) und Dußlingen.

Diese Fragen sind bisher offen

Rund um den geplanten Windpark gibt es eine Reihe unbeantworteter Fragen:

Lärm, Gesundheitsschutz und Visualisierungen

Bislang fehlen nachvollziehbare Informationen dazu, wie sich die Anlagen auf Anwohnerinnen und Anwohner auswirken und wie sie später im Landschaftsbild aussehen.

Natur- und Artenschutz

Der Rammert gilt als ökologisch wertvolles Waldgebiet. Welche Folgen der Windpark für Tier- und Pflanzenarten hat, ist bislang nicht ausreichend geklärt.

Wirtschaftlichkeit und Standort

Ob sich der Standort eignet und der Windpark wirtschaftlich trägt, ist offen.

Zuwegung und Umspannwerk

Wie die Anlagen erschlossen werden und wo ein Umspannwerk entstehen soll, ist bislang nicht klar dargestellt.

Kommunikation

Informationen der Stadtwerke erreichen die Menschen vor Ort bislang nur unzureichend.

Naturschutzthemen im Rammert

Der Rammert, ein bewaldeter Höhenzug zwischen Neckar- und Steinlachtal (Landkreis Tübingen und Zollernalbkreis), ist eines der bedeutendsten zusammenhängenden Waldgebiete im mittleren Baden-Württemberg. Durch seine naturräumliche Lage im Keuperbergland erfüllt er essenzielle ökologische Schutz- und Regulationsfunktionen.

1. Artenschutz und Biodiversität

Der Rammert beherbergt großflächige Schutzgebietsausweisungen nach europäischem Recht (Natura-2000-Gebiete: FFH-Gebiet Rammert sowie Teile des Vogelschutzgebiets Schönbuch und Rammert).

  • Altholz- und Totholzstrukturen: Durch alte Buchen- und Eichenmischwälder bietet das Gebiet Lebensraum für spezialisierte Totholzkäfer, Pilzgesellschaften sowie Höhlenbrüter (z. B. Schwarzspecht, Mittelspecht).
  • Fledermausfauna: Die strukturreichen Hangwälder und Hohlbaumvorkommen sind Quartiere streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).
  • Amphibien und Reptilien: Kerbtäler (Klingen) und Waldtümpel dienen als Laichhabitate für Gelbbauchunke (Bombina variegata), Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Kammmolch (Triturus cristatus).
  • Flora: Charakteristisch sind Übergänge von sauren Buchenwäldern (Luzulo-Fagetum) auf Stubensandstein zu wärmeliebenden Eichenwäldern an sonnenexponierten Südhängen.

Quelle zur Überprüfung: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Daten- und Kartendienst (UDO), Steckbrief FFH-Gebiet 7519-341 „Rammert“.

2. Funktion als Klimaschutzwald und Mikroklima

Aufgrund seiner Fläche von mehreren tausend Hektar nimmt der Rammert direkte Steuerungsfunktionen für das regionale Klima wahr:

  • Kohlenstoffsenke: Die Biomasse der Waldbestände sowie die Humusschichten binden signifikante Mengen an CO₂. Forstliche Konzepte zielen zunehmend auf den Erhalt dauerwaldähnlicher Strukturen ab, um Bodenexposition und Kohlenstofffreisetzung zu minimieren.
  • Kalt- und Frischluftentstehung: Nachts kühlen die geschlossenen Waldkronen ab; die entstehende Kaltluft fließt über Hanglagen und Seitentäler in Richtung Steinlachtal (Mössingen, Ofterdingen, Dußlingen) und Neckartal (Rottenburg, Tübingen) ab. Dies mindert den Wärmeinseleffekt der umliegenden Siedlungsachsen.

Quelle zur Überprüfung: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Fachberichte zu Waldklimafunktionen im Keuperbergland; Klimaatlas Baden-Württemberg (LUBW).

3. Wasserhaushalt und Hochwasserschutz

Geologisch ist der Rammert vom Keuper (insbesondere Stubensandstein, Knollenmergel und Schilfsandstein) geprägt. Dies bedingt spezifische hydrogeologische Dynamiken:

  • Retentionsfunktion: Der dichte Waldboden verzögert den Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen. Dies entlastet die Zubringerbäche von Steinlach und Neckar.
  • Grundwasserneubildung: Klüfte im Stubensandstein ermöglichen das Versickern von Niederschlagswasser, das an den Schichtgrenzen (z. B. Übergang zu wasserstauenden Tonen) in Form von Hangquellen austritt.
  • Erosionsschutz: Bei Starkregen verhindern Wurzelsysteme und Streuschichten die Abschwemmung der bindigen Knollenmergel- und Sandsteinböden in Steillagen.

Quelle zur Überprüfung: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), Geologische Karte 1:50.000 Baden-Württemberg, Hydrogeologische Übersicht.

4. Bodenschutz

Die Böden des Rammerts reagieren hochsensibel auf mechanische Einwirkungen:

  • Bodenarten und Bodentypen: Dominierend sind Podsol-Braunerden, Braunerden und Pseudogleye auf wechselfeuchten Keupertonen.
  • Verdichtungsempfindlichkeit: Besonders die lehmigen und tonigen Verwitterungsböden (Knollenmergel) weisen bei Nässe eine geringe Tragfähigkeit auf. Der Bodenschutz im Rahmen der Landeswaldgesetzgebung (§ 14 LWaldG BW) erfordert den strikten Einsatz von Rückegassenrastern zur Vermeidung von Tiefenverdichtungen, die den Luft- und Wasserhaushalt irreversibel schädigen könnten.

Quelle zur Überprüfung: Waldzustandsbericht Baden-Württemberg (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg); Bodenkarte von Baden-Württemberg (LGRB).

5. Erholungswald und Nutzungskonflikte

Als stadtnaher Waldraum (Nähe zum Ballungsraum Rottenburg–Tübingen–Mössingen) unterliegt der Rammert hohem Nutzungsdruck:

  • Nutzungsarten: Wandern, Joggen, Mountainbiken, Reitsport und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung treffen räumlich aufeinander.
  • Konfliktfelder im Naturschutz:
    • Querfeldeinfahrten/-läufe abseits der ausgewiesenen Wege stören störungsempfindliche Wildtiere in Kernzonen.
    • Zerschneidungseffekte durch informelle Trailbauten führen zu punktueller Bodenzerstörung und Beunruhigung von Altholzinseln.
  • Besucherlenkung: Die Forstverwaltung und kommunale Träger setzen auf ein definiertes Wegenetz sowie Informationstafeln, um sensible Ruhezonen zu entlasten.

6. Die Wirtschaftlichkeit des geplanten Windparks Rammert

Von 13 auf 9 Anlagen, sinkende Ertragsprognosen, keine veröffentlichten Messwerte: Was über die Wirtschaftlichkeit des Windparks bekannt ist und was nicht.

Zum Beitrag →

Warum wir die Windkraftwerke im Rammert kritisch sehen

Während der Ausbau erneuerbarer Energien grundsätzlich notwendig ist, gefährden die geplanten Windkraftanlagen im Rammert ein ökologisch sensibles, zusammenhängendes Waldgebiet sowie streng geschützte Tierarten und deren Lebensraum.

Schutz der Tierwelt

Der Bau von Windkraftanlagen im Rammert bedroht die Habitate der dort beheimateten Tiere, darunter Füchse, Rehe, Wildschweine, Dachse, eine Vielzahl von Vogelarten, Fledermäuse, Amphibien und Insekten. Auch geschützte Arten wie der Rotmilan (18 Brutreviere), der Schwarzstorch und seltene Fledermauspopulationen sind betroffen.

Erhalt des Klimaschutzwaldes

Ein Klimaschutzwald ist ein zusammenhängendes Waldgebiet in der Nähe von Siedlungsschwerpunkten. Großräumiger Luftaustausch, Kühlung und Feuchtigkeitsspeicher sind seine Aufgaben. Aufgrund der örtlichen Topografie und der fehlenden Zufahrtsstraßen zu den potenziellen Standorten der Windkraftwerke müssen große Flächen des Rammerts gerodet werden, seine Funktion als Klimaschutzwald wird deutlich beeinträchtigt.

Förderung der Biodiversität

Biodiversität sichert wichtige ökologische Funktionen wie die Produktion von Sauerstoff, die Bestäubung von Pflanzen, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die Regulation des Klimas. Durch einen so massiven Eingriff in das intakte Ökosystem Rammert entsteht ein großes Ungleichgewicht, das gravierende Folgen nach sich zieht.

Bewahrung des Naherholungsgebiets

Die Errichtung der Windkraftanlagen wird das wichtige Naherholungsgebiet für die 150.000 Anwohner rings um den Rammert signifikant belasten – sowohl während der Bau- als auch der Betriebsphase durch Emissionen und den Schattenwurf der riesigen Rotoren. Die geplanten 250 Meter hohen Anlagen würden die Attraktivität und die Erholungsqualität des Gebiets zerstören.

Fragwürdige Wirtschaftlichkeit

Trotz geringer Windhöffigkeit ist der Rammert bislang vom Regionalverband Neckar-Alb (RVNA) als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. Anstatt sich auf Standorte mit guter Windhöffigkeit zu konzentrieren, werden hier riesige Windkraftanlagen von 250 Metern Höhe vorgesehen, um Effizienz zu erreichen. Inwiefern sich der Betrieb der WKA an einem solch ungünstigen Standort noch wirtschaftlich gestalten lässt, ist fraglich.

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